Von der industriellen Revolution zur digitalisierten Welt

Rückblickend auf München im 18. Jahrhundert erkennt man ein kleines Stadtdorf mit idyllischen Altbauhäusern und einem Marktplatz. Ein Merkmal um dieses Städtchen tatsächlich identifizieren zu können wäre die Frauenkirche gewesen, der auch heute noch, nach den 4 Industriezeitaltern, als eines der Münchner Wahrzeichen großen Wert zugesprochen wird.
Tatsächlich änderte sich die Münchner Stadtstruktur mit dem ersten Industriezeitalter um 1800 rapide. Durch Europa fuhr eine Welle mechanischer Neuerfindungen die eine Massenproduktion ermöglichten. Dabei wurde primär Energie aus Wasser und Dampf genutzt. Diese Neuheiten verbreiteten sich schnell in Europa und Nordamerika und die Bevölkerung staunte über Maschinen wie die Dampflock und preiste das neue Zeitalter, welches gekonnt überzeugte mit einer noch nie vorhandenen Mobilität. Infrastruktur wird in der Industrie 1.0 groß geschrieben, sowie eine generelle Diversifizierung in den industriellen Bereichen. Arbeitsmangel in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts gab es somit nicht. Lediglich die  Arbeitsbedingungen der Arbeiterklasse mangelten stark und werden heute als „Soziale Frage“ thematisiert. München florierte und wuchs durch den Einfluss der Industrie. Wer zu dieser Zeit in Bayern Arbeit suchte, hatte sicher München als Ziel vor Augen mit dem großen Wunsch von dessen Wirtschaft im zweiten Sektor zu profitieren. Denn der landwirtschaftliche Sektor verlor immer mehr an Bedeutung. Wesentlich war von nun an die Industrie in den Städten, die immer größer und einflussreicher wurde. Allmählich stellte sich ein Stadt-Land-Gefälle ein, welches sich zugunsten der Städte entwickelte. Die Bevölkerung fühlte sich wohl im dem Treiben der Stadt und gliederte sich problemlos in dessen Infrastruktur ein. Ein neuer Lebensstil entstand und neue Einrichtungen ermöglichten einen ausgiebigen Freizeitsektor in Restaurants, Kasinos und großen Märkten. Zum Beispiel der Viktualienmarkt der 1807 eröffnet wurde und auch heute noch große Beliebtheit nach sich zieht.

München um 1761 kurz vor der Industrialisierung – Im Hintergrund gut erkennbar: Die Frauenkirche

Mit der zweiten Industriellen Revolution wurden diese Prozesse immer weiter ausgeführt. München wuchs und damit auch die Einwohnerzahl. 1854 wurde die erste allgemeine Deutsche Industrieausstellung vorgestellt mit dieser auch der Bau von Bahnhöfen und die Einbindung von vielen Gemeinden zum Münchner Stadtumkreis verbunden war. Die Industrie war nun allgegenwärtig und die Einwohnerzahl am Ende des 19. Jahrhunderts bei 170 000 Einwohner angelangt. Mit der voranschreitenden  Industrialisierung gab es eine zunehmende Automatisierung von Maschinen. Dies gelang mit einer der global am wichtigsten Erfindungen der Menschheit. Die Elektrizität. Sie ermöglichte zeitlich umfassende Prozesse zu minimieren, sie gab der Bevölkerung Licht und schuf neue innovative Maschinen, wie das Automobil von Carl Benz. Eine neue Ära begann. München wurde  dynamischer und die Gesellschaft immer neugieriger industrielle Prozesse auch für sich zu nutzen. Somit war am Ende des 19. Jahrhunderts der Karlsplatz Stachus der verkehrsreichste Ort der Welt. Um die Jahrhundertwende hin gab es allmählich einen globalen Austausch, ermöglicht durch Flug- und Schiffsverkehr. Der Imperialismus begann und in München befanden sich bald exotische Güter, wie Kaffee und Zimt, die großen Anklang in der Bevölkerung fanden. Diese globalen Stränge weiteten sich mit der Telekommunikation, die einen Austausch über weite Strecken ermöglichte. Die Gesellschaft war erstaunt über die nie endenden Modernisierungen und schuf ein immer größer werdendes Vertrauen zu diesen Innovationen. Angezogen von den immer bequemer  werdenden Stadtleben wuchs München von 170.000 Einwohner im Jahre 1871 auf 500.000 Einwohner am Anfang des 20. Jahrhunderts an. Das große Bevölkerungswachstum problematisierte die Wohnsituation in München, welches Suburbanisierung und soziale Differenzierung zur Folge hatte. Die Arbeiterschicht wohnte zunehmend in auseinanderfallenden Häusern im Industriegebiet. Die angesehene Gesellschaft hausierte in adäquaten Wohnbauten, die entlang der Isar einen reizvollen Standort symbolisierten. Diese soziale Wohnproblematik wurde mit dem Bau vieler Wohnanlagen in den städtischen Randgebieten versucht zu kompensieren. Ein neues Verkehrsnetz bestehend aus S- und U-Bahn um die Dreißiger Jahre verband diese Randgebiete mit dem städtischen Kern.

München im Wachstumsprozess –Bau des Hauptbahnhofes 1879

Das dritte Industrielle Zeitalter fand in den 70er Jahren statt. Der Wortbegriff Industrialisierung wird weniger mit diesem Zeitalter verbunden, da sich nun ein dritter Sektor im globalen Raum entwickelte. Der Dienstleistungssektor, oder auch der tertiäre Sektor benannt nach Fourastie, definiert den Arbeitsbereich, der nicht im landwirtschaftlichen oder industriellen Sektor stattfindet. Die Automatisierung der vorherigen industriellen Zeitalter wurde fortgeführt durch die Elektronik und dem IT-Sektor. Viele Professoren sehen auch heute noch die Erfindung des Computers als die wesentlichste am Ende des 20. Jahrhunderts. Und auch im 21. Jahrhundert ist der Computer sowie das Internet kaum weg zu denken. In München macht sich die dritte Revolution bemerkbar mit dem Bau von Bürogebäude. In anderen Großstädten beginnt ein Wettrennen um die höchsten Glashochhäuser, damit die neuen  Modernisierungen auch im Stadtbild zu erkennen sind. München hatte zum Zeitpunkt der Jahrhundertwende von  20. Zum 21. Jahrhundert nun eine Million Einwohnern und gehörte seitdem zu der dritt größten Stadt in Deutschland.

BMW Verwaltungsgebäude 1970/1971

Anhand der dritten Revolution konnte die im Imperialismus entstehende  Globalisierung weiter wachsen. Durch den neu erfundenen IT-Sektor gab es  durch das Internet neue Wege zu kommunizieren und Informationen auszutauschen. Im Rahmen der Globalisierung entstanden immer mehr   digitale Innovationen die analoge Geräte ersetzten und diese international   publik wurden  und sich verbreiteten. Der IT-Sektor wuchs auf der Welt und  es  wurde ein neues Imperium namens Internet geschaffen welches aus digitalen Medien bestand. Genannt wird die vierte und somit auch letzte industrielle Revolution: Digitalisierung. Der Mensch wurde zunehmend abhängiger von diesen digitalen Dienstleistern,  welchen seinen Alltag stetig erleichtern. Eine globale Dynamisierung fand statt und verband Bereiche in der Kommunikation, Wirtschaft, Politik, Kultur und Umwelt. Auch der Informationspool im Internet wuchs täglich und Suchmaschinengiganten wie Google haben heute einen unvorstellbaren Marktwert von 400 Milliarden Dollar. Die Digitalisierung betrifft jedes Individuum und lässt auch München keinen Zeitraum zum Entspannen. Die Stadt ist infrastrukturell sowie gesellschaftlich modernisiert. In vielen innovativen Bereichen gehört München zu den Führungsstädten. Bekannt für seinen IT-Korridor und Technologien in Flugtechnik ist München eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Der Modernisierungsprozess ist auch im Stadtbild zu erkennen. Eine Sightseeing Tour durch München zeigt eine Symbiose aus reich verziertem Altbau und abstrakten Neubauten, die alle auf Ihre eigene Weise überzeugen.

 

Effnerplatz in München mit dahinter liegenden Bürobauten

Wie die nächsten industriellen Revolutionen eine Stadt, eine Gesellschaft und globale Weltzusammenhänge verändern werden ist weder zu erraten noch zu verbildlichen. Hätte man um 1900 einem Münchner Einwohner von der Digitalisierung berichtet, hättet dieser geschmunzelt, sich höflich an den Hut getippt und wäre mit einem „Servus“ weiter spaziert.

Quellen: http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Gesundheit-und-Umwelt/Wasser_und_Boden/Boden/Historische_Stadtentwicklung.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Chronik_der_Stadt_München/1801-1900
http://industrie-wegweiser.de/von-industrie-1-0-bis-4-0-industrie-im-wandel-der-zeit/

Bildquellen:
http://www.br.de/themen/bayern/inhalt/geschichte/muenchen-hauptbahnhof-bau100~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f1135.jpg?version=8be9fhttp://www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/a_mod/04.htm
http://www.malerei-meisterwerke.de/images/canaletto-(i)-ansicht-von-muenchen-das-brueckentor-und-die-isar-muenchen-von-heidhausen-aus-gesehen-01150.jpg

https://www.munich-startup.de/wp-content/uploads/2015/01/Nr.-1504-Foto-Werner-Boehm-Skulptur-Mae-West-Effnerplatz-Muenchen1.jpg